Der Akti­ons­bund Akti­ver Anle­ger­schutz e.V. berich­tet seit Mona­ten inten­siv über die Gescheh­nis­se zu den POC-Fonds. Jetzt wur­den die Anle­ger gefragt, ob sie den Fonds­ge­sell­schaf­ten ein ver­zins­li­ches Dar­le­hen in Höhe von 10 % ihrer Betei­li­gung zur Ver­fü­gung stel­len möch­ten! Der AAA sagt “NEIN”!

Die Gesell­schaf­ter der betrof­fe­nen POC-Fonds (POC 1, POC 2, POC Growth, POC Growth 2, POC Growth 3 Plus, POC Natu­ral Gas 1) haben in den letz­ten Mona­ten viel Post bekom­men. Mit Schrei­ben vom 6. Novem­ber 2015 wur­den die Gesell­schaf­ter über den aktu­el­len Stand des CCAA-Ver­fah­rens infor­miert und um Rück­sen­dung einer „Zusatz­in­for­ma­ti­on“ bis zum 20. Novem­ber 2015 gebeten.

Unse­re Emp­feh­lung zur Rück­sen­dung der „Zusatz­in­for­ma­ti­on“ (Ter­min: 20.11.2015) lautet:

Kei­ne Rück­sen­dung und somit kei­ne Bereit­schaft für ein ver­zins­li­ches Dar­le­hen in Höhe von 10 % Ihrer Betei­li­gungs­sum­me, und zwar egal wofür.

Der Akti­ons­bund Akti­ver Anle­ger­schutz e.V. hat inzwi­schen zahl­rei­che Unter­la­gen aus dem CCAA- und Recei­ver­s­hip-Ver­fah­ren, vom Insol­venz­ver­wal­ter direkt und aus ande­ren Quel­len beschafft und ist der­zeit damit beschäf­tigt, die­se weit über 1.000 Sei­ten zu über­set­zen und auszuwerten.

Nach­fol­gend berich­tet der Akti­ons­bund Akti­ver Anle­ger­schutz e.V. über für die Anle­ger wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen, die eine ande­re Sicht auf das wer­fen, was bis­her erzählt wur­de, und die begrün­den, war­um der Akti­ons­bund von einer Dar­le­hens­ge­wäh­rung abrät.

Im Schrei­ben der Rechts­an­wäl­te der ATB (finan­zie­ren­de Bank) an die Anwäl­te der COGI-Grup­pe, in dem die Bank ankün­digt, dass sie das Insol­venz­ver­fah­ren bean­tra­gen wird, heißt es u. a.: 

“Even if suf­fi­ci­ent funds are rai­sed from the inves­tors in the Ger­man LPs of COGI, it has been clear from the begin­ning that the­re is no obli­ga­ti­on on the part of the Ger­man LPs to return the­se funds (by way of debt or equi­ty invest­ment) to COGI.”

“Auch wenn aus­rei­chen­de Gel­der von den Anle­gern in den deut­schen LPs von COGI (gemeint sind die Fonds) bei­ge­trie­ben wer­den, war von Anfang an klar, dass auf der Sei­te der deut­schen LPs kei­ne Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung die­ser Gel­der an COGI (im Wege des Dar­le­hens oder wei­te­ren Eigen­ka­pi­tals) besteht.” 

In der Begrün­dung des Insol­venz­an­tra­ges für COGI LP, Cana­di­an Oil and Gas Inter­na­tio­nal Inc. und Con­ser­ve Oil Group Inc. vom 22. Okto­ber 2015 wird als Grund für den Insol­venz­an­trag angegeben: 

„COGI und die Geschäfts­füh­rung hat­ten reich­lich Zeit, ihren Gläu­bi­gern ein­schließ­lich der ATB einen Plan zur Rück­zah­lung oder zum Ver­gleich (der „Plan“) vor­zu­stel­len. Die COGI-Grup­pe kon­zen­triert sich jedoch nicht auf die kri­ti­schen Aspek­te, die zur Umset­zung des CCAA oder zum Schutz ihrer Gläu­bi­ger erfor­der­lich sind. Es wur­den von COGI oder dem Gene­ral Part­ner kei­ne bedeu­ten­den Schrit­te zur Ent­wick­lung eines Plans unter­nom­men und es ist unklar, bis zu wel­chem Ter­min das Ver­fah­ren zur Geneh­mi­gung eines sol­chen Pla­nes ein­ge­lei­tet wer­den soll.

Außer­dem haben COGI und der Gene­ral Part­ner eine Rei­he von Zah­lun­gen an Gläu­bi­ger geleis­tet, die eine signi­fi­kan­te Abwei­chung vom Cash Flow bedeuten …

ATB hat heu­te außer­dem wei­te­re Infor­ma­tio­nen im Hin­blick auf die mög­li­chen Wer­te der Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de von COGI … erhal­ten, wonach davon aus­zu­ge­hen ist, dass sowohl die Wer­te als auch die Fähig­kei­ten einen Plan zu ent­wi­ckeln, der eine vol­le Befrie­di­gung von ATB zur Fol­ge hat, unwahr­schein­lich ist.

Der Moni­tor stell­te eine Rei­he von Irr­tü­mern in COGIs Kapi­tal­fluss­rech­nung fest und emp­fahl, die­se zu überprüfen.

[Am 24. Sep­tem­ber 2015] Im Nach­gang zu dem Mee­ting und nach Berück­sich­ti­gung der zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen, die von Con­ser­ve vor­ge­legt wur­den, war ATB mit den von Con­ser­ve vor­ge­leg­ten Infor­ma­tio­nen nicht zufrie­den und nicht bereit, eine Ver­län­ge­rungs­ver­ein­ba­rung auf der Basis von — neben ande­ren Din­gen — unak­zep­ta­blen Kapi­tal­fluss­rech­nun­gen zu schließen.

[Am 30. Sep­tem­ber 2015] Bei die­sem Mee­ting äußer­ten die Ver­tre­ter der COGI Grup­pe neben ande­ren Din­gen, dass sie bis­her den LPs [den Fonds­ge­sell­schaf­ten] die ange­for­der­ten Infor­ma­tio­nen nicht zur Ver­fü­gung gestellt hat­ten, um zu beur­tei­len, ob sie einen von COGI und dem Gene­ral Part­ner vor­ge­schla­ge­nen Plan finan­zie­ren würden.

Der Ver­tre­ter der ATB ant­wor­te­te auf das Schrei­ben des Ver­tre­ters der COGI Grup­pe vom 16. Okto­ber 2015, dass die Con­ser­ve betref­fen­den Infor­ma­tio­nen, die zeit­li­chen Vor­stel­lun­gen zur Vor­la­ge über­haupt eines Plans und die Dis­kre­pan­zen in der Kapi­tal­fluss­rech­nung inak­zep­ta­bel sei­en und ATB nicht mehr bereit sei, das CCAA Ver­fah­ren für COGI und den Gene­ral Part­ner über den 26. Okto­ber hin­aus zu unter­stüt­zen.“

Bei die­sen Zita­ten han­delt es sich um vom Akti­ons­bund Akti­ver Anle­ger­schutz e.V. über­setz­te Aus­zü­ge der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung von Clay­ton Martin/Director der ATB.

In den Pro­to­kol­len der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen aus Sep­tem­ber 2015 wird auf den “Sanie­rungs­plan” der COGI LP Bezug genom­men. Das Pro­to­koll ist inso­fern irre­füh­rend. Denn weder auf den Ver­samm­lun­gen noch irgend­wann sonst wur­de bis­her ein Sanie­rungs­plan vor­ge­legt. Tat­säch­lich exis­tiert ein sol­cher Plan, nach dem der Akti­ons­bund Akti­ver Anle­ger­schutz e.V. auf den Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen mehr­fach gefragt hat, bis heu­te nicht. Das Feh­len die­ses Pla­nes war ein wesent­li­cher Grund dafür, dass die ATB den Insol­venz­an­trag für die COGI LP und die bei­den ande­ren Gesell­schaf­ten gestellt hat, wie sich aus den obi­gen Zita­ten ergibt.

Im Pro­to­koll heißt es fer­ner, dass die finan­zie­ren­de Bank und das Gericht dem CCAA-Ver­fah­ren zuge­stimmt hät­ten, weil sie davon aus­gin­gen, dass von den Anle­gern der deut­schen Fonds aus­rei­chen­de Mit­tel zur Ablö­sung der Bank kämen. Auch die­se Aus­sa­ge ist irre­füh­rend. Zum einen hät­te aus den zurück­ge­zahl­ten Aus­schüt­tun­gen das rest­li­che Bank­dar­le­hen noch nicht ein­mal dann voll zurück­ge­führt wer­den kön­nen, wenn alle Anle­ger gezahlt hät­ten. Zum ande­ren ging die Bank hier­von auch nie aus. Sie ging viel­mehr davon aus, dass Liqui­di­täts­zu­flüs­se aus Ver­kauf von Assets der COGI LP an die Pro­ven Oil Asia (POA) rea­li­siert wer­den wür­den. Dies ergibt sich aus dem Schrift­ver­kehr der Anwäl­te der COGI-Grup­pe mit den Anwäl­ten der Bank, der im Zuge des CCAA-Ver­fah­rens geführt wurde.

Bri­san­te Infor­ma­tio­nen stam­men aus dem 1. Bericht des Insol­venz­ver­wal­ters vom 6. Novem­ber 2015 (ein Link zur Inter­net­sei­te des Insol­venz­ver­wal­ters und des­sen Bericht fin­den sie am Ende des Arti­kels):

Die Daten der COGI LP wur­den bis­her auf einem Ser­ver gespei­chert, der der Arrow Point Res­sour­ces Ltd. gehört. Die­se Gesell­schaft wie­der­um wird geführt von Alex­an­der Gra­matz­ki ali­as Alex­an­der von Gra­matz­ki ali­as Alex­an­der Han­ne. Der Insol­venz­ver­wal­ter erhielt die Infor­ma­ti­on, die Manage­ment­auf­ga­ben von COGI LP und COGI Inc. sei­en auf Con­ser­ve Oil dele­giert wor­den. Die­se habe aber wie­der­um Manage­ment­auf­ga­ben an GLOBAL dele­giert, die wie­der­um an Arrow Point wei­ter dele­giert habe. Mit ande­ren Wor­ten: Es sieht so aus, als lägen die wesent­li­chen Manage­ment­auf­ga­ben in der Hand von Alex­an­der von Gra­matz­ki, dem Sohn von Jür­gen Han­ne. Der Insol­venz­ver­wal­ter berich­tet hier­zu, dass er die Ver­tei­lung der Manage­ment­auf­ga­ben noch nicht voll­stän­dig durchschaue.

In den letz­ten zwölf Mona­ten hat die COGI LP erheb­li­che Tei­le ihrer Öl- und Gas­fel­der ver­kauft, davon einen gro­ßen Teil an die Pro­ven Oil Asia Ltd (POA). Bei der POA han­delt es sich eben­falls um eine Con­ser­ve Oil-Toch­ter, die seit 2013 auf dem asia­ti­schen Markt Anle­gern Betei­li­gun­gen an Öl- und Gas­fel­dern anbie­tet (ver­gleich­bar den deut­schen Fonds). Alex­an­der von Gra­matz­ki teil­te nun­mehr dem Insol­venz­ver­wal­ter mit, die von ihm geführ­te Arrow Point habe von POA Öl- und Gas­fel­der für 10 Mio. CAD erwor­ben. Bei der POA sind die­se Öl- und Gas­fel­der also auch nicht mehr … Die POA hat jetzt ihren Manage­ment­ver­trag mit Con­ser­ve gekündigt.

Der Insol­venz­ver­wal­ter berich­tet fer­ner, er befürch­te, Con­ser­ves Kapi­tal in den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten wer­de ver­schwin­den, wenn er nicht sofort auch die Kon­trol­le über die­se erhal­te. Einen ent­spre­chen­den Antrag hat er im Rah­men sei­nes 1. Berichts gestellt.

Abschlie­ßend heißt es im 1. Bericht des Insolvenzverwalters:

“It is appa­rent from the Recei­vers initi­al review, and from Appen­dix A, that the­re is a com­pli­ca­ted cor­po­ra­te struc­tu­re whe­re assets have been trans­fer­red bet­ween rela­ted enti­ties and manage­ment respon­si­bi­li­ties have been dele­ga­ted to out­side par­ties, bey­ond the Recei­vers con­trol. A Trus­tee would have enhan­ced powers to exami­ne par­ties under the pro­vi­si­ons of the BIA, review poten­ti­al frau­du­lent pre­fe­ren­ces, etc.”

“Nach der ers­ten Durch­sicht des Insol­venz­ver­wal­ters liegt es auf der Hand, dass es sich um eine kom­pli­zier­te Unter­neh­mens­struk­tur han­delt, inner­halb derer Ver­mö­gens­wer­te zwi­schen ver­bun­de­nen Unter­neh­men ver­scho­ben und Manage­ment­auf­ga­ben an Außen­ste­hen­de außer­halb der Kon­trol­le des Insol­venz­ver­wal­ters über­tra­gen wur­den. Ein Treu­hän­der wür­de erwei­ter­te Befug­nis haben, die Betei­lig­ten unter den Vor­schrif­ten von BIA zu prü­fen, auf Betrug zu unter­su­chen u. ä.”

Wegen der Explo­si­vi­tät die­ser Ein­schät­zung zitiert der Akti­ons­bund Akti­ver Anle­ger­schutz e.V. hier auch im eng­li­schen Ori­gi­nal. Wir glau­ben, dass die­se Unter­la­gen deut­lich machen, wes­we­gen hier außer­or­dent­li­ches Miss­trau­en ange­bracht ist.

Haben Sie bis­her nichts unter­nom­men, um Ihr Kapi­tal zu schüt­zen, dann soll­ten Sie schnellst­mög­lich Mit­glied werden!

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