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Warnung für alle Anleger der POC-Fonds

  • Dez 202103
Kategorien:
Energiefonds
Anbieter:
POC Energy Solutions GmbH

Die Geschäftsführer der Proven-Oil-Canada-Fonds (POC-Fonds), Edmund Kockartz und Klaus Christochowitz, haben mit Schreiben vom 17. November 2021, das die Anleger allerdings erst in dieser Woche in der Post haben, die Anleger aufgefordert, bis Heiligabend umwälzende Beschlüsse zu fassen. Unser Vorstandsmitglied Kerstin Kondert, seit Jahren im Detail mit den Fonds engstens vertraut, prüft derzeit die Unterlagen.

Wir raten aber bereits nach erster Durchsicht allen Anlegern der betroffenen Fonds POC 1, POC 2, POC Growth, POC Growth 2, POC Growth 3 Plus und POC Natural Gas dringend, selbst die Unterlagen gründlichst zu prüfen und/oder rechtlichen und steuerrechtlichen Rat einzuholen, bevor sie mit einer Zustimmung unumstößliche Fakten schaffen und dann mit ungeahnten Konsequenzen leben müssen.

Die Geschäftsführung empfiehlt mit der Begründung der Kostenersparnis, die Fonds aufzulösen und die Fondsbeteiligungen in direkte Beteiligungen an der kanadischen Beteiligungsgesellschaft DEL Canada Limited Partnership umzuwandeln. Für die Anleger heißt das in vielfacher Hinsicht, die Katze im Sack zu kaufen. Bisher haben sich die Geschäftsführer geweigert, auch nur die vollständigen Jahresabschlüsse der DEL Canada LP den Anlegern auszuhändigen. Kritische Fragen zu den Abschlüssen der Fonds (auch hier werden den Anlegern die vollständigen Jahresabschlussberichte vorenthalten) und der DEL ignorieren die Geschäftsführer.

Nach unseren bisherigen Recherchen sieht es so aus, als seien die Fonds und die DEL in den letzten Jahren nur durch die zweckfremde Verwendung von Anlegerzahlungen am Leben gehalten worden.

Zum Hintergrund:
In 2017 haben der Anlagevermittler Edmund Kockartz und der POC-Anleger Klaus Christochowitz in Übereinkunft mit dem Insolvenzverwalter der kanadischen POC-Muttergesellschaft Conserve Oil die Geschäftsführung aller POC-Gesellschaften übernommen. Die ehemalige – durchaus umstrittene – Geschäftsführerin Monika Galba wurde damit entmachtet und schied kurz danach aus der Geschäftsführung aus. Die Anleger wurden allerdings auch vor vollendete Tatsachen gestellt.

Kockartz und Christochowitz sammelten in 2017 rund 15 Millionen neues Eigenkapital bei den POC-Anlegern ein, um aus der gleichfalls insolventen kanadischen Beteiligungsgesellschaft der Fonds die profitablen Öl- und Gasquellen herauszukaufen und mit einer neuen kanadischen Beteiligungsgesellschaft den sog. „RESTART“ durchzuführen. Geplant war, das mit 4 Prozent pro Jahr zu verzinsende Sanierungskapital bis Mitte 2021 zurückzuzahlen und dann mit den Ausschüttungen auf die Ursprungsbeteiligungen zu beginnen. Bisher haben die Anleger allerdings keinen Cent gesehen.

Stattdessen haben die Anleger jedes Jahr Geld mitgebracht. Sie müssen für sich persönlich jährlich eine Steuererklärung in Kanada abgeben. Das können Sie selbst über das Internet machen. Aber die Formulare in englischer Sprache versteht nicht jeder, weswegen viele wie in den Prospekten bereits vorgesehen die Komplementärin der kanadischen Beteiligungsgesellschaft bevollmächtigt haben, diese Erklärungen im Namen des jeweiligen Anlegers von einer kanadischen Steuerberatungsgesellschaft erstellen zu lassen. Das kostet Geld. Insgesamt haben Kockartz und Christochowitz für die Steuererklärungen für die Jahre 2015 bis 2021 (inzwischen soll nämlich immer bereits ein Jahr im Voraus bezahlt werden) mehr als sechs Millionen kanadische Dollar für diese Steuererklärungen bei den Anlegern angefordert. Unklar ist jedoch, wer dieses Geld letztlich bekommt, wer die Steuererklärungen tatsächlich erstellt und was das wirklich kostet. Kockartz und Christochowitz weigern sich ebenso konsequent wie Frank Lehmann, Geschäftsführer der ESCRO Treuhandgesellschaft mbH, darüber konkret Auskunft zu erteilen.

Die Angaben in den Rundschreiben an die Anleger und in den Geschäftsberichten hierzu sind widersprüchlich. Die kanadische Beteiligungsgesellschaft zeigt im Geschäftsbericht der Fonds bei den Einnahmen „Gebühren für kanadischen Steuererklärungen“, obwohl sie damit nichts zu tun haben dürfte – sie soll Öl und Gas produzieren und verkaufen. Die Geschäftsführer erklären in ihren Schreiben an die Anleger, die Beteiligungsgesellschaft oder die Fonds selbst würden mit den Kosten für die Steuererklärungen in Vorlage (wem gegenüber?) gehen, was bei diesen zu Problemen führen würde. Auch das dürfte nicht sein und war so nie vorgesehen.

Die Anleger sollen das Geld für ihre individuellen Steuererklärungen an ihren jeweiligen Fonds zahlen. Aber was dann mit dem Geld passiert, ist völlig intransparent. Unser Vorstandsmitglied Kerstin Kondert vermutet – und einige kritische Anleger stimmen darin mit ihr überein -, dass mit diesem Geld die Fonds und die DEL am Leben gehalten werden. Denn die Fonds haben ausweislich der Statusberichte der Geschäftsführung noch nie Geld von der DEL erhalten. Aber sie haben laufende Kosten. Wovon bezahlen sie die? Auch bei der DEL sah es nach den Statusberichten mit der Liquidität mau aus. Wir haben also gute Gründe zu vermuten, dass die Fonds und die DEL mit den Zahlungen der Anleger für die Steuererklärungen am Leben gehalten werden, damit Geschäftsführung, Treuhänder und Steuerberatung weiter verdienen.

Nach unserer Auffassung ist die derzeitige Beschlussfassung mit der ganz heißen Nadel gestrickt. Es hatte erkennbar auch niemand die Zeit, die Texte Korrektur zu lesen. Es wimmelt von Fehlern. Für die DEL kennen die Anleger bisher weder vollständige Zahlen noch haben sie Anhaltspunkte, was die Quellen in Kanada tatsächlich wert sind. Auch eine Prognoserechnung gibt es nicht.


Anleger, die nicht mitmachen wollen, sollen zum Jahresende aus den Fonds ausscheiden. Das wollen viele auch gern. Aber den Unterlagen ist kein Wort zu entnehmen, welche wirtschaftlichen oder steuerlichen Konsequenzen das Ausscheiden hat. Wenn die Beschlüsse aber wie geplant durchgehen, dann wird es noch viel, viel schwieriger als bisher die offenen Fragen zu klären und die Geschäftsführung zu überprüfen.

Wir werden nach eingehender Durchsicht der Unterlagen ganz konkrete Fragen zu der beabsichtigten Umstrukturierung an die Geschäftsführung richten. Wir werden über die Ergebnisse unserer Prüfung vor Ablauf der Abstimmungsfrist hier berichten. Wir versuchen, den Anlegern die aus unserer Sicht notwendigen Informationen zu liefern, die sie für eine sachgerechte Beschlussfassung brauchen.

Name

Kerstin Kondert

Firma

Dipl.-Betriebsökonomin (BI) Certified Investigation Expert Fondsanalystin

Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V.

Adresse

Heerstraße 2

14052 Berlin

Telefon

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